4. Gothscher Dinner for One-Abend mit Queen Elizabeth II. als Ehrengast?

2012 serviert Diener Schluder (Ralph-Uwe Heinz) Herzogin Sophie (Anja Gottschall) bereits zum vierten Mal das „Dinner for One auf Goth'sch“. (Foto: Kim Raddatz)

2012 serviert Diener Schluder (Ralph-Uwe Heinz) Herzogin Sophie (Anja Gottschall) bereits zum vierten Mal das „Dinner for One auf Goth’sch“. (Foto: Kim Raddatz)

 

„Dinner for One“ ist Kult. Und das nicht nur im Fernsehen, sondern auch live im Gothaer Kulturhaus. Alljährlich wird dort am 30. Dezember das wohl berühmteste Geburtstagsessen der Welt serviert – natürlich auf Goth’sch. In nur drei Jahren hat sich der bislang stets ausverkaufte Theaterabend mit szenischer Lesung und Schauspiel zur größten „Dinner“-Veranstaltung Thüringens gemausert. Und die „Dinner“-Macher lassen sich jedes Jahr etwas Neues für ihre Zuschauer einfallen.

Seit der Premiere des goth’schen „Dinner for One“ am Silvesterabend 2009 wissen die Gothaer um eine weitere Besonderheit ihrer geschichtsträchtigen Stadt: Diese ist nichts weniger als der Ursprungsort des vermeintlich englischen Kultsketches mit Miss Sophie und ihren Diener James! Zumindest, wenn man dem Autor Andreas M. Cramer Glauben schenkt. Seine am „Dinner“-Abend als szenische Lesung dargebotene „beinahe wahre“ Geschichte der Gothaer Herzogin Sophie, die über Jahre im Winterpalais mit ihren vier längst verstorbenen Freunden Herr Perthes, Ritter von Gadolla, Kommerzienrat Arnoldi und Professor Galletti Geburtstag feierte, sorgt dank vieler Mundart-Schnärzchen stets für große Heiterkeit. Bei der darauf folgenden goth’schen Version des Sketchklassikers sind schließlich Lachstürme garantiert, wenn Ralph-Uwe Heinz mit unnachahmlicher Energie den betrunkenen Diener Schluder gibt, der den Geburtstag der von Anja Gottschall überaus würdevoll verkörperten Herzogin ausrichtet.

„Wir wollen mit unserem Dinner einfach gute Silvester-Unterhaltung bieten“, ist der Anspruch von Regisseur Kai Kretzschmar, der den Abend mit sichtbarer Liebe zum Detail inszeniert. Und dazu gehöre auch, dass man sich immer wieder etwas Neues für die Zuschauer einfallen lasse, um den Event- und Kultcharakter der Veranstaltung zu betonen. So verspricht er jedem Besucher, der in diesem Jahr zum Dinner-Abend stilvoll im klassischen Frack erscheint, einen Gutschein für zwei Gläser Sekt. Dieses Angebot nur für Herren sei, so Kretzschmar schmunzelnd, quasi das Gegenstück zum „My Fair Lady“-Renntag auf dem Boxberg, bei dem Damen mit Hut bevorzugt würden. Und schließlich sei keine Gothaer Veranstaltung so perfekt für das Tragen eines Fracks geeignet wie das „Dinner“, ist er überzeugt.

Beim „Neunzschsdn Gebordsdaach“ Herzogin Sophies werde natürlich „alles genausu wie voors Jahr“ sein, versichert Autor Andreas M. Cramer. Neu sei jedoch, dass in diesem Jahr vorab an die Zuschauer britische Fähnchen verteilt würden, damit diese während der traditionell gespielten Nationalhymne „God save the Queen“ geschwenkt werden können. Als echter Goth’scher müsse man schließlich das Diamantene Thronjubiläum Königin Elizabeths II. gebührend würdigen, so Cramer. Denn in den Adern der Queen flösse dank ihrer herzoglichen Vorfahren aus dem Hause Sachsen-Gotha eben auch goth’sches Blut. Deshalb sei es ganz klar „nur eine Frage der Zeit“, dass Elizabeth II. irgendwann der jedes Jahr erneuerten Einladung zum „Dinner“-Abend ins Gothaer Kulturhaus folge, ist der Autor überzeugt. Vielleicht, meint er lachend, klappe es ja schon in diesem Jahr, dass die Queen Ehrengast bei der Veranstaltung ist.

 

(veröffentlicht im November 2012)