„Wir spielen so lange wir können und uns die Goth’schen sehen wollen!“

Ein eingespieltes Team beim goth’schen „Dinner“: Ralph-Uwe Heinz als Diener Schluder und Anja Gottschall als Herzogin Sophie, die auch an ihrem 90. Geburtstag "alles genauso wie jedes Jahr" haben möchte.

Ein eingespieltes Team beim goth’schen „Dinner“: Ralph-Uwe Heinz als Diener Schluder und Anja Gottschall als Herzogin Sophie, die auch an ihrem 90. Geburtstag „alles genauso wie jedes Jahr“ haben möchte.

 

Vor gerade einmal 120 Zuschauern feierte das „Dinner for One auf Goth’sch“ 2009 im Saal des alten „Londoner“ seine Premiere. Beim inzwischen 5. Goth’schen Dinner-Abend am 30. und 31. Dezember im Kulturhaus wollen Herzogin Sophie und Diener Schluder nicht weniger als 1.600 Zuschauer begeistern. „Oscar am Freitag“ sprach mit den Hauptdarstellern Anja Gottschall und Ralph-Uwe Heinz über das Erfolgsgeheimnis des Theaterabends.

Euer „Dinner“ war bislang immer ausverkauft und ist mittlerweile fast schon eine feste Gothaer Silvestertradition. Wie habt ihr das geschafft?

Keine Ahnung, wir sind jedes Jahr wieder überrascht! Aber ein Grund für den Erfolg und das begeisterte Publikum ist vielleicht, dass wir jedes Jahr versuchen, diesen einmaligen Sketchklassiker so perfekt wie nur möglich auf die Bühne zu bringen. Und unsere Zuschauer spüren sicher, dass wir immer mit ganzem Herzen dabei sind und das Ganze auch nach vier Jahren nicht einfach nur „runterspielen“.

Aber abseits des rein Darstellerischen gibt es doch sicher noch andere Faktoren, die den Erfolg ausmachen?

Na klar. Zuallererst sicher die Mundart und die vielen lokalen Anspielungen. Dann das mit viel Liebe zum Detail zusammengestellte historische Bühnenbild, das einen Gutteil der authentischen Atmosphäre ausmacht. Und nicht zuletzt die szenische Lesung zur goth’schen Geschichte des „Dinners“, die perfekt auf das Stück einstimmt. Wir sind übrigens die einzigen „Dinner“-Darsteller in Deutschland, die so ein Gesamtkonzept haben und nicht bloß den Sketch spielen. Das scheint dem Publikum zu gefallen.

Ralph-Uwe, du bist ein „alter Hase“, was Führungen und Auftritte im Kostüm angeht. Kennst Du eigentlich noch so etwas Lampenfieber beim „Dinner“?

Und wie! Ich bin jedes Jahr supernervös vor meinem Auftritt. Aber ich brauche diese Anspannung auch, um dann wirklich 100 Prozent geben zu können. Denn Timing ist beim „Dinner for One“ alles! Die vielen kleinen Gesten und Grimassen, die Stolperer und Sprüche müssen ja auf den Punkt genau sitzen, damit es wirklich witzig ist. So zufällig und leicht da vieles auch aussieht – für mich ist der Schluder immer richtig harte, konzentrierte Arbeit.

Und wie ist es bei deiner Rolle als Herzogin Sophie, Anja?

Ein bisschen aufgeregt bin ich natürlich auch immer, ob wirklich alles klappt und z.B. nichts passiert, wenn ich von Ralph-Uwe mit dem Thron schwungvoll hintenüber gekippt werde. Aber bei mir ist die Vorfreude auf das Spiel doch größer als die Nervosität. Ich muss ja schließlich auch der ruhende Pol in dem ganzen Spektakel sein, das der immer betrunkenere Schluder veranstaltet.

Habt ihr schon einmal daran gedacht, irgendwann mit dem „Dinner“ aufzuhören?

Nee! So lange uns die Goth’schen an Silvester sehen wollen und wir noch spielen können, werden wir auch als Herzogin Sophie und Diener Schluder auftreten. Und bis zu Anjas echtem 90. Geburtstag haben wir auch noch viel Zeit. Dann machen wir uns vielleicht mal Gedanken über ein Ende. (beide lachen)

 

(veröffentlicht im November 2013)