Respekt vor dem goth’schen Dinner-Abend

bericht_2009

„Alles genausu wie voors Jahr“: Anja Gottschall als Herzogin Sophie und Ralph-Uwe Heinz als ihr Diener Schluder servieren auch zu Silvester 2010 das goth’sche „Dinner“.

 

Einen Tag vor Silvester wird der Kultsketch „Dinner for one“ in seiner goth’schen Fassung erstmals im Kulturhaus aufgeführt. „Oscar“ sprach im Vorfeld mit den Darstellern Anja Gottschall (Herzogin Sophie) und Ralph-Uwe Heinz (Diener Schluder).

Hat euch der Erfolg eures goth’schen „Dinners“ im vergangenen Jahr überrascht?

Absolut. Dass wir statt einer geplanten Vorstellung drei geben müssen und die Zuschauer so hellauf begeistert von Herzogin Sophie und ihrem Diener Schluder sein würden, hätten wir nie gedacht. Neben der stimmigen klassischen Inszenierung durch Kai Kretzschmar waren wohl vor allem die Mundart sowie die zahlreichen Anspielungen auf Gothaer Besonderheiten und Personen ausschlaggebend für den Erfolg.

Wird also am 30. Dezember „alles genauso wie voriges Jahr“ sein?

Nein, nicht ganz. Zum einen wagen wir uns mit dem Kulturhaus ja erstmals in ein richtig großes Haus. Und zum anderen bieten wir in diesem Jahr eine komplette zweistündige „Dinner“-Veranstaltung an. Da ist natürlich nicht nur die Erwartungshaltung des Publikums entsprechend größer, sondern auch unser Respekt vor dem Ganzen. Zumal wir in diesem Jahr ja auch wieder eine Premiere vor uns haben.

Und welche wäre das?

In Ergänzung zum Stück hat unser Autor Andreas M. Cramer eine szenische Lesung geschrieben, in der er erstmals die wahre Geschichte des „Dinners“ erzählt. Und die birgt mehr als nur ein paar Überraschungen. Denn wer hätte gedacht, dass der reale Ursprung dieses Theaterklassikers in der Residenzstadt liegt? Dabei spielen nicht nur das „Winterpalais“, vier prominente Gothaer und eine Herzoginwitwe eine wichtige Rolle, sondern auch Queen Victoria und Prinz Albert.

Was haben die denn damit zu tun?

Nun, Victoria und ihr Prinzgemahl Albert von Sachsen-Coburg und Gotha brachten von ihrem Besuch in der Residenzstadt 1845 die Geschichte erst nach England, wo der goth’sche Ursprung zu Unrecht in Vergessenheit geriet. Das muss jetzt endlich mal erklärt und richtiggestellt werden. Und „echt goth’sch“ wird’s bei der szenischen Lesung natürlich auch wieder. Aber mehr dürfen wir vor der Premiere noch nicht verraten.

Das hört sich ja ganz so an, als ob …

… das Ganze im Hinblick auf das „Deutsch-Englische Jahr in Gotha“ geschrieben wäre? Nein, überhaupt nicht, denn der Text entstand ja schon im Frühjahr. Dass er so aktuell passen würde, konnte keiner von uns wissen. Aber dadurch wird unser goth’scher „Dinner“-Abend jetzt natürlich zur eigentlichen Auftaktveranstaltung des „Deutsch-Englischen Jahres“ 2011. (beide lachen)

 

(veröffentlicht im November 2010)