Erfolgreiche Premiere von „Dinner for One auf Goth’sch“

Entspanntes Posieren nach der erfolgreichen Premiere (von links): Regisseur Kai Kretzschmar, Autor Andreas M. Cramer, „Herzogin Sophie“ Anja Gottschall und „Diener Schluder“ Ralph-Uwe Heinz. (Foto: André Wesche / TA)

Entspanntes Posieren nach der erfolgreichen Premiere (von links): Regisseur Kai Kretzschmar, Autor Andreas M. Cramer, „Herzogin Sophie“ Anja Gottschall und „Diener Schluder“ Ralph-Uwe Heinz. (Foto: André Wesche / TA)

 

Die Geschichte des Silvesterklassikers „Dinner for one“ ist seit dem 29. Dezember 2009 um eine Facette reicher. Im Perthes-Saal des „Londoner“ feierte die goth’sche Version des Stückes als „Dar neunzschsde Gebordsdaach“ am Mittwoch ihre ausverkaufte Bühnenpremiere. Sowohl die Leistungen der Darsteller wie auch die detailreiche Inszenierung mit viel Lokalkolorit begeisterten das Publikum, welches das Stück mit vorbehaltlosem Beifall und viel Gelächter bedachte.

In seiner charmanten Einführung zum Stück machte Autor Andreas M. Cramer als eleganter Confèrencier mit einem Augenzwinkern klar, dass es sich bei der goth’schen Version des Silvesterklassikers selbstverständlich um das Original des Stückes handele. Schließlich sei die Geschichte vor rund 170 Jahren genau so im nahen „Winterpalais“ passiert und über Queen Victorias deutschen Prinzgemahl Albert von Sachsen-Coburg und Gotha nach England gekommen. Der Gothaer Ursprung sei dort schlichtweg nur in Vergessenheit geraten.

Ralph-Uwe Heinz, der mit sichtlicher Spielfreude als Diener Schluder agierte, hatte dann die Zuschauer von Beginn an auf seiner Seite. Sowohl seine körperbetonte Darstellung des zunehmend betrunkeneren Dieners als auch die anspielungsreichen Sprüche in breitester goth’scher Mundart sorgten für Begeisterung. Als imaginäre Gäste der Herzogin Sophie Karoline Amalie von Sachsen-Gotha-Altenburg (angemessen würdevoll von Anja Gottschall dargestellt) hatten die Autoren mit Johann Georg August Galletti, Ernst Wilhelm Arnoldi, Justus Perthes und Ritter von Gadolla vier der bekanntesten Prominenten aus der Stadtgeschichte aufgeboten.

Die kleinen Besonderheiten der vier „Gäste“ wusste Hauptdarsteller Heinz ebenso eindringlich wie amüsant herauszuarbeiten. Als Verleger Perthes verwirrte er sich zunehmend in kartographischen Anreden der Herzogin („Sophie, minne zarknüllerde Landkardn!“), begnügte sich als schneidiger Ritter von Gadolla etwas unwillig mit einem hackenknallenden „Prrrosit!“ und gab einen mit Piepsstimme sprechenden, überaus vornehmen Kommerzienrat Arnoldi. Die meisten Lacher erntete er jedoch als konfuser Professor Galletti, der hin und wieder das Geburtstagsessen mit einer Schulstunde verwechselte, über Gotha als „schönste Stadt Italiens“ oder die alkoholische Gärung dozierte und in seiner Verwirrung das Blumenwasser trank.

Akribisch hatten die Autoren bei der Übertragung des Originalsketches auch auf die zahlreichen kleinen Details des Stückes geachtet, die ebenfalls so goth’sch wie nur möglich waren: Als Getränke wurden „Gothaer Helles“, „Friedenstein-Sekt“, „Gotano“ und „Aromatique“ kredenzt, während zum Essen Linsensuppe, Klöße mit Rotkraut, „Forelle von Wendler“ und Gothaer Kranz „von Bonsaggn“ aufgetragen wurden. Und statt des Tigers wurde ein Eisbär namens Knut (ein Schelm, wer Arges dabei denkt!) zur beständigen Stolperfalle für den Diener.

Insgesamt bot das rund 40-minütige Stück (das damit gut doppelt so lang wie das englische Original ist) eine liebevolle, stilechte Inszenierung, deren Abschlussbeifall Regisseur Kai Kretzschmar sichtlich erleichtert quittierte. Und wenn es nach den Machern des Stückes geht, wird Diener Schluder auch 2010 wieder im schönsten Goth’sch fragen: „Alles genausu wie voors Jahr, Herzoochin Sophie?“

 

(veröffentlicht im Januar 2010)