Ein Theaterstück mit Kultpotenzial

interview_2009

Die vier Köpfe hinter „Dinner for one auf Goth’sch“ (von links): Kai Kretzschmar (Regisseur), Ralph-Uwe Heinz (Hauptdarsteller und Co-Autor), Anja Gottschall (Hauptdarstellerin) und Andreas M. Cramer (Autor und Co-Regisseur).

 

Ende Dezember wird der beliebte Silvestersketch „Dinner for One“ in einer goth’schen Fassung seine Theaterpremiere im „Londoner“ feiern. „Oscar“ sprach im Vorfeld mit Kai Kretzschmar (Regie) und Andreas M. Cramer (Autor).

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, ausgerechnet eine goth’sche Version des Silvesterklassikers zu inszenieren?

Ursprünglich stammt die Idee von Ralph-Uwe Heinz, der auch den ersten Entwurf schrieb. Er fand, dass unter den zahlreichen Inszenierungen – ob auf Plattdeutsch, Hessisch oder Kölsch – eine witzige Fassung für Gotha mit viel Lokalkolorit noch fehlte. Darüber hinaus kennt er sich seit Jahren bestens mit szenischen Darstellungen aus. Wir haben dann unsere Kenntnisse der goth’schen Mundart und Geschichte sowie unsere Erfahrungen bei Regiearbeiten eingebracht. Nicht zuletzt hat uns alle drei die Herausforderung „Theater“ gereizt.

Worin unterscheidet sich eure Version vom englischen Original?

Wer sagt denn, dass das Original aus England stammt? Wir haben herausgefunden, dass sich die Geschichte vor rund 170 Jahren im Gothaer Winterpalais zugetragen hat, über Queen Victorias Prinzgemahl Albert von Sachsen-Coburg und Gotha nach England kam und dort der goth’sche Ursprung in Vergessenheit geriet. Insofern zeigen wir quasi die Urfassung des Sketches. (beide lachen) Und zwar nicht nur in Mundart, sondern auch mit vielen Anspielungen auf historische Persönlichkeiten aus der Residenzstadt.

Wer wird denn Miss Sophie und ihren Diener James auf der Bühne geben?

Unsere Miss Sophie ist natürlich „Herzogin Sophie“ und wird von Anja Gottschall dargestellt, die früher schon beim Theaterverein (dem heutigen „art der stadt“, Anm. d. Red.) gespielt hat. Und ihren Diener Schluder wird Ralph-Uwe Heinz selbst spielen. Für ihn übrigens eine Paraderolle, in der er sein komisches Talent voll ausschöpfen kann. Aber das Ganze wird natürlich kein bloßer Klamauk werden, sondern wir haben Wert auf eine stilechte Inszenierung gelegt.

Warum ist ausgerechnet das „Londoner“ Premierenstätte?

Dessen Besitzer Alexander Linß hat uns das Angebot gemacht, im Rahmen seiner Silvesterparty das „Dinner“ zu spielen, wobei wir quasi „Vorband“ der „Polars“ sein werden. Da konnten wir einfach nicht nein sagen. Zum anderen hat der Perthes-Saal des „Londoner“ eine ideale Größe und bietet ein durchaus intimes Ambiente, wie es dem Stück absolut angemessen ist.

Wird das goth’sche „Dinner for One“ eine einmalige Sache sein?

Zumindest in diesem Jahr werden wir es ja wegen der großen Nachfrage schon an drei Abenden geben. Ob wir das Stück auch im nächsten Jahr noch spielen, hängt natürlich von den Reaktionen der Zuschauer ab. Wenn es nach uns geht, sehr gern. Denn wir denken, dass unser „Neunzschsder Gebordsdaach“ wirklich Kultpotenzial hat und ein Dauerbrenner werden könnte.

 

(veröffentlicht im Dezember 2009)