„Beinahe die Wahrheit über Dinner for One“

Andreas M. Cramer mit dem „Dinner“-Eisbär Knut und seinem aktuellen Kurzroman, der nichts weniger verspricht als „die beinahe wahre Geschichte“ des berühmten Silvesterklassikers.

Andreas M. Cramer mit dem „Dinner“-Eisbär Knut und seinem aktuellen Kurzroman, der nichts weniger verspricht als „die beinahe wahre Geschichte“ des berühmten Silvesterklassikers.

 

Gotha ist der Ursprungsort des „Dinner for One“ und der Kultsketch eigentlich „echt goth’sch“. Zumindest behauptet dies der Gothaer Andreas M. Cramer in seinem jetzt erschienenen Kurzroman. „Oscar“ sprach mit dem Autor über sein neues Buch, das mit einer szenischen Lesung im „Lorbeerhaus“ vorgestellt wurde.

Deine goth’sche Theaterversion des Silvesterklassikers scheint ja Kult in Gotha zu werden – immerhin sind schon jetzt über die Hälfte der Karten für den diesjährigen Dinner-Abend am 30. Dezember verkauft.

Ja, ich kann das selbst kaum glauben. Als Ralph-Uwe Heinz und ich das Stück vor zwei Jahren schrieben, dachten wir an eine oder bestenfalls zwei kleine Vorstellungen. Dass wir jetzt im dritten Jahr das Kulturhaus wahrscheinlich mühelos vollbekommen, ist eine Riesenüberraschung für uns. Wir haben damit offensichtlich einen Nerv beim goth’schen Publikum getroffen.

Und dein aktueller Kurzroman ist quasi „das Buch zum Stück“?

Wenn man so will, ja. Genau genommen ist es aber das erste Buch, das die Hintergründe des „Dinners“ und seine Protagonisten genauer unter die Lupe nimmt und die Entstehungsgeschichte des Silvesterklassikers erzählt.

Und die wäre?

In aller Kürze: Die Gothaer Herzogin Sophie Karoline Amalie feierte im Winterpalais über viele Jahre mit ihren vier besten Freunden – den Herren Perthes, Gadolla, Arnoldi und Galletti – Geburtstag. Und nach deren Tod musste ihr Diener trinkend und Sprüche klopfend den Part der Verstorbenen übernehmen. Er war es schließlich auch, der das Ganze ausführlich und im schönsten Goth’sch in seinen Lebenserinnerungen festgehalten hat.

Aber wieso gilt das „Dinner“ dann heute als typisch englisch?

Über Herzogin Sophies Enkel Prinz Albert kam die Geschichte vor rund 160 Jahren nach England, wurde in den 1930er-Jahren wiederentdeckt und zu einem Sketch umgearbeitet. In Gotha hingegen geriet sie völlig in Vergessenheit. Und erst beim Abriss vom Winterpalais wurden die originalen Aufzeichnungen des Dieners wiedergefunden, die belegen, dass das „Dinner“ seinen Ursprung hier bei uns hat. Es ist quasi ein goth’sches „Geburtstagsessen für Eine“.

Und das sollen wir glauben?

Aber ja! Denn immerhin erzähle ich in meinem neuen Buch ja die Wahrheit, die ganze Wahrheit und nichts als – beinahe die Wahrheit. (lacht)

 

(veröffentlicht im September 2011)